"Es geht um mehr als ums Töpfern" – Einblicke in die South Bear School, einen Lernort nach dem Vorbild der Pondfarm
Die South Bear School ist ein Erwachsenenbildungszentrum für bildende Kunst im ländlichen Nordosten von Iowa, das sich der Weitergabe der Fähigkeiten und künstlerischen Werte verschrieben hat, die vom Bauhaus und früheren Meistern dieser Tradition begründet wurden. South Bear zeichnet sich durch sein Bekenntnis zur Tradition, seine inspirierende natürliche Umgebung und seine lebendige Gemeinschaft von Künstlern und Lernenden aus. Die Schultradition geht zurück auf Marguerite Wildenhain und die Bauhaus-Bewegung und davor auf das 500 Jahre alte System der deutschen Töpferzünfte. South Bear pflegt einen tiefen Respekt für Handwerkskunst und funktionale Schönheit. Regina Bittner befragte das Vorstandsmitglied der Schule, Will Schwarz.
Danke, dass du heute bei uns bist. Ich habe ein paar Fragen vorbereitet. Lass uns mit einer kurzen Einführung beginnen. Kannst du uns etwas über dich erzählen?
Ich bin Filmemacher und Keramiker. Ich bin umgeben von Kunst und – dank der Sammlung meiner Großeltern – besonders von Keramik aufgewachsen. Darunter waren auch Werke von Marguerite Friedlaender-Wildenhain. Ich habe es immer als Glück empfunden, mit dieser Welt in Kontakt gekommen zu sein und mit den Künstlern, die bei ihr studiert haben.
Als ich begann, mich fürs Filmemachen zu interessieren, war es eines meiner Ziele, eine Dokumentation über Marguerite zu drehen. Im Lauf der Jahre habe ich Interviews mit Menschen geführt, die sie kannten, und mittlerweile ist aus dem Projekt eine Dokumentation geworden, die Kalifornien, Deutschland und den Mittleren Westen der USA umspannt.
2024 habe ich mein Studium an der University of Iowa mit einem Abschluss in Film und Drehbuchschreiben beendet. Darüber hinaus bin ich im Vorstand der South Bear School, an der wir zurzeit Workshops veranstalten. Abgesehen davon stelle ich gerade eine Komödie fertig, die im Herbst herauskommen soll.
Du hast bereits erwähnt, dass du zum Vorstand der South Bear School gehörst, wo du auch praktisch arbeitest. Diese Ausgabe unseres Digitalen Atlasses befasst sich mit der Rolle des Handwerks – nicht nur als kulturelle Praxis, sondern auch als pädagogisches Erbe. Kannst du uns etwas mehr über die South Bear School und ihre Verbindung zu deinem Großvater Dean Schwarz und zur Pond Farm erzählen?
Dean Schwarz hat in den späten 1950er-Jahren in der Künstlerkolonie Pond Farm bei Marguerite studiert. Er war ursprünglich Maler, wandte sich unter ihrer Anleitung aber der Keramik zu. Später wurde er Lehrassistent, um dann seine eigene Schule, die South Bear School, nach dem Vorbild der Pond Farm zu eröffnen.
Sie hatte ihre Anfänge in einem Kollektiv in Highlandville, Iowa, und umfasste zunächst nicht nur mit Keramik, sondern auch Malerei, Dichtung, Holzschnitzerei, Literatur, Musik und ökologische Studien. Mit der Zeit entwickelte sie sich weiter, zog mehrmals um und wurde schließlich mehr zu einem Residency-Modell, denn es wurde für meine Großeltern zu anstrengend, immer vollständige Workshops zu veranstalten.
2020 belebten meine Schwestern und ich gemeinsam mit unserem Vater die Schule neu. Unser Ziel ist es, das Erbe der Bauhauskeramik und Marguerites Lehre in eine zeitgemäße pädagogische Praxis zurückzubringen. Wir haben einen starken Vorstand, zum dem auch Brent Johnson und Phil Raskin gehören, und wir konnten einige von Marguerites ehemaligen Studierenden als Gastdozent*innen gewinnen.
Du hast sehr schön das Erbe und den Kontext eurer Schule erklärt. Aber warum hat Keramik diesen Stellenwert? Und was macht die Arbeit mit Ton im Hinblick auf die Ausbildung von Künstlern so wichtig?
Ton ist ein elegantes und geduldiges Medium. Er ist unendlich recycelbar. Man kann Stunden mit einem Stück verbringen, es aufgeben und wieder von vorn anfangen. Diese Anpassungsfähigkeit lehrt die Studierenden, dem Prozess mehr Wertschätzung entgegenzubringen als dem Produkt. Marguerite selbst erlaubte ihren Schüler*innen nicht, ihre Stücke mit nach Hause zu nehmen. Ihr ging es nur ums Lernen.
Wir legen auch Wert auf den meditativen Aspekt. Neulich haben wir zum Beispiel einen Meditationsworkshop abgehalten, in dem die Positionierung des Tons im Zentrum der Töpferscheibe eine Parallele in der emotionalen Zentrierung des Ichs gefunden hat. Keramik lehrt Geduld, Achtsamkeit und tiefe Selbstreflexion.
Du hast über Materialwissen angesprochen. Das hat auch dein Großvater getan. Was bedeutet dir Materialwissen im Zusammenhang mit Keramik?
Wenn du Hunderte oder Tausende Stücke töpferst, geht dir der Prozess in Fleisch und Blut über. Der Ton wird zu einer Erweiterung deiner Hände. Es geht nicht mehr darum, jeden Schritt zu bedenken – es wird expressiv, so wie man eine Sprache spricht.
Wir sorgen dafür, dass die Studierenden ihren Ton selbst schlagen, ihn sich aneignen und immer mit dem einem Tonklumpen arbeiten, um eine Intimität mit dem Material herzustellen. Das vermittelt ihnen ein grundlegendes, fast spirituelles Verständnis des Tons.
Du hast die Geschichte der Töpferei von den Keramikwerkstätten des Bauhauses in Dornburg und Weimar bis zu Keramikstudios in den USA historisch erforscht. Wie hat sich das Konzept der Töpferei in den unterschiedlichen Phasen entwickelt?
In Dornburg, wo Walter Gropius 1920 die einzige Bauhauswerkstätte außerhalb von Weimar eingerichtet hatte, arbeitete man nach dem Gildensystem, das der Keramiker Max Krehan etabliert hatte. Dabei wirkten Handwerker*innen für die Bedürfnisse ganzer Gemeinschaften. Marguerite nahm an der Verschiebung hin zu einer industriellen Produktion teil, etwa mit ihrer Arbeit für die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Doch in den USA, während ihres Aufenthalts auf der Pond Farm, wandte sie sich von der Massenproduktion ab und belebte die Töpferei als persönliche, ausdrucksstarke Kunst wieder.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Töpferei eine Blütezeit, denn es gab damals immer mehr Amerikaner*innen, die Zugang zu einer künstlerischen Ausbildung hatten. Marguerite inspirierte viele von ihnen, ihre Kunst als Beruf und Ausdrucksform zu betreiben. Heute ist das schwieriger. Die Ausbildung ist teuer, und immer weniger Leute haben die Mittel, sich der Keramik in Vollzeit zu widmen.
An der South Bear School mussten wir uns auch anpassen. Einige Studierende suchen eine umfassende Ausbildung, andere kommen nur zu kürzeren Workshops. Wir bieten die ganze Bandbreite an und versuchen dabei, Marguerites rigoroses Lehrmodell zu beizubehalten.
Du hast auch auf eine Kritik am Massenkonsum hingewiesen, die der handwerklichen Töpferei zu eigen ist – Handgefertigtes gegenüber Industrieproduktion. Das erinnert mich an die Weberei, besonders Annie Albers‘ Gedanken über Handwebstühle. Betrachtest du die South Bear School als einen Ort, der dieses Ethos von Handwerk als Widerstand weiterführt?
Absolut. Alles hier ist handgemacht – vom Geschirr bis zu den Möbeln. Aus einer Schale zu essen, die man selbst oder der Großvater gemacht hat, verändert die Beziehung zur Welt um einen herum. Das schafft eine engere, absichtsvollere Gemeinschaft.
Bei der South Bear School geht es um mehr als Keramik – es geht auch um ökologisches Bewusstsein. Wir leben in einem einzigartigen Tal, das sich wie ein natürlicher Zufluchtsort anfühlt. Die Studierenden lernen, diese Umgebung zu schätzen und zu schützen. Ton selbst ist Erde. Ihn zu benutzen, erfordert, mit seiner Quelle in Verbindung zu bleiben und uns unseres Einwirkens bewusst zu sein.
Dieser ganzheitliche Ansatz scheint Materialwissen, Umweltbewusstsein und gemeinschaftliches Leben zu verbinden – ein überzeugendes Modell. Vielleicht können wir das als Fazit unseres Gesprächs betrachten?
Ja, ich denke, das bringt es auf den Punkt. Bei diesem Ort und dieser Praxis geht es um mehr als ums Töpfern. Es geht darum, eine Art des Seins auf dieser Welt zu erhalten – sorgfältig, kreativ und mit Rücksicht auf die Materialien und Menschen um uns herum. Das ist es, was wir am Leben erhalten wollen.
ist Filmemacher und bildender Künstler, der im amerikanischen Mittelwesten Gemeinschaften aufbaut. Nachdem er von seinem Großvater Dean und seinem Vater Lane zum Keramiker ausgebildet wurde, machte Will 2024 seinen Abschluss in Film und Drehbuch an der University of Iowa. Er ist Mitglied des Vorstands der South Bear School, einer gemeinnützigen Kunstschule, die die Lehren von Marguerite Friedlaender-Wildenhain auch im 21. Jahrhundert weiterführen will. Wills erster abendfüllender Film kam im Herbst 2025 in die Kinos. Zurzeit arbeitet er an einem Dokumentarfilm über das Bauhaus, Marguerite Friedlaender-Wildenhain und ihr Erbe in der Kunst der Keramik.