Ant Farm – Zeigen/Verblüffen (Lernen)
Die Mediensphäre des Pop (in der sich die Savants aus dieser Künstlergruppe so gut auskannten) erinnert sich an Ant Farm (1968–1978) vor allem wegen des flüchtigen Vergnügens, das ihre aufblasbaren Architekturexperimente bereiteten, und wegen eines der bekanntesten amerikanischen Kunstwerke, Cadillac Ranch (1974). Jede Generation entdeckt aufs Neue den knautschigen, schwebenden Spaß eines luftgetragenen Do-it-yourself-Raums ohne rechte Winkel, während die zehn Cadillacs, die mit der Schnauze voran halb eingegraben sind, neben der ikonischen Route 66 eine Tanztruppe aus Heckflossen bilden.
„Geniale Praktiker des Karnevalesken” – so beurteilte Michael Sorkin Ant Farm und erfasste dabei treffend ihren Ruf als Vertreter einer exzentrischen Architektur.[1]
Felicity D. Scott geht sogar noch weiter, indem sie die Arbeit des experimentellen Kollektivs so definiert: „Ein vorausahnendes Zusammentreffen der Disziplin [Architektur] mit einer Umwelt, die radikal durch den Einsatz elektronischer Medien verändert wird, sowie der Versuch, damit klarzukommen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen.“[2]
Ant Farm hatte nichts weniger vor, als die Architektur neu zu interpretieren und dabei auf die neuen Elektrotechnologien, Informationsnetzwerke, psychedelischen Drogen und das Umweltbewusstsein der Gegenkultur zu reagieren, die vom Zusammentreffen mit dem Vokabular einer gerade entstehenden planetaren Kultur (von Marshall McLuhans Vorstellung vom globalem Dorf bis zu den Fotos vom „Blauen Planeten“, die die NASA machte) geprägt wurde.
Ihre Vision von den zukünftigen globalen Mediennomaden, die „Locoweed am elektrischen Lagerfeuer rauchen“, war zugleich ein psychedelisches Spiel mit dem durch Technik möglich gemachten Kommunitarismus der Gegenkultur und die eiskalte Prognose einer Architektur, die sich als Schnittstelle und nicht als Behausung versteht – mobil, multimedial, mehrkanalig und als Zentrum eines Projekts zur radikalen Reform des Lebens.[3]
„ALLES AUS DEM ALLTAGSLEBEN MUSS MAGISCH WERDEN“[4]
Ant Farm wurde Teil einer ganzen Reihe von nordamerikanischen Designkommunen, die aus dem soziokulturellen Überschwang der 1960er-Jahre hervorgingen und das, was sie als lähmenden, technokratischen Rahmen der Architekturlehre verdammten, hinterfragen und neu gestalten wollten. Der Kontext ihrer Experimente waren das intensive Brodeln auf dem Campus und, wie Beatriz Colomina es formuliert hat, der Einfluss einer globalen „Anti-Schule“, in deren Zentrum die Ideen von Persönlichkeiten wie Buckminster Fuller, Stewart Brand, Victor Papanek und Ivan Illich standen.[5]
Diese Gruppen folgten dem früheren Beispiel von Archigram und stylten sich als Rockbands der Gegenkultur mit verspiegelten Sonnenbrillen und dazu passenden Namen: Southcoast, Onyx, Pulsa, Zomeworks, Kamakazi Design Group, Space Cowboys, All Electric Medicine Show und anderes mehr. Vor allem durch den Einsatz flüchtiger, interaktiver, auf den Akt des Bauens konzentrierter Events („Build-in“-Workshops, „Momentdörfer“, „Response-Umfelder“) wollten sie die Grenzen zwischen Studierenden und Lehrkräften, zwischen der Arbeit an der Universität und außerhalb davon aufheben.[6] Die Architekturlehre wurde radikal umgeformt zu einem erweiterten Raum für situatives Lernen, das sich unmittelbar mit den drängenden soziopolitischen Fragen und Umweltproblemen befasste.
Ant Farm wurde im psychedelisch verheißungsvollen Jahr 1968 von Chip Lord, Doug Michels und Curtis Schreier gestartet und ausdrücklich als „Plattform für eine Bildungsreform“ definiert. Eine von Ant Farms ersten Aktionen war es, die Jahresversammlung des California Council of the A. I. A. (Verband der amerikanischen Architekten) mit Flyern zu stören, auf denen die Fähigkeit der Architekt*innen infrage gestellt wurde, die Probleme des „schwarzen Gettos, der Armen in der Stadt, der desorientierten Jugend“ anzugehen. Sie forderten, dass die Vortragenden bei der Veranstaltung durch „echte statt belehrende Trips“ ersetzt werden sollten.[7]
Andernorts infiltrierten sie unmittelbar Orte, an denen Architektur gelehrt wurde. Projekte wie Astrodaze and Time Slice (1969) an der Universität von Houston waren Experimente der „Lifekunst“, die konventionelle Vorlesungen zugunsten von über Nacht stattfindenden Happenings am Strand über Bord warfen, bei denen „alles aus dem Alltag magisch werden muss“. Dazu gehörte auf das Campingevent im Astrodome-Stadion in Houston, bei dem die Studierenden „die Nacht auf und in einem 18-Meter-Fallschirm verbrachten, der von Heliumballons in der Luft gehalten wurde“.[8]
Freie Unterrichtsformen ohne Hierarchien, die die radikalen Prototypen der neuen freien/antiuniversitären Bewegungen aufgriffen, waren für das Ziel von Ant Farm wichtig, die Rangfolgen und den nur in eine Richtung führenden Informationsfluss der Architekturlehre auseinanderzunehmen. Sie stimmten auch mit der Weigerung der Gegenkultur überein, die Rolle der Universitäten als Ausbildungsstätten für willige Untergebene für den militärisch-industriellen Komplex hinzunehmen.
Über die Infiltrierung und die Neugestaltungen der Architekt*innenausbildung hinaus richteten sich die pädagogischen Experimente von Ant Farm schließlich darauf aus, radikale, alternative Lebensweisen zu etablieren. Im Einklang mit den befreienden Idealen dieser Zeit vertraten sie die Vorstellung vom Lernen als einem „fortlaufenden Lebensprozess“ und von der Notwendigkeit, sich von traditionellen pädagogischen und beruflichen Institutionen, Räumen und Modalitäten zu lösen.[9] Ein frühes Beispiel für die LSD-beflügelte Agitprop [Abbildung] der Gruppe erklärte ihren Zweck so:
Umwelttechnische Alternativen (urban-ökologische Kommune/Hightech-Pneumaden/Pneufamilie) zeigen/verblüffen (lernen) […] und fördern so das Bewusstsein für ein sauberes ökologisches Leben + öffnen Mensch-Maschine-Muster für ein Überökobewusstsein [sic]: mit offenen Mediensystemen und geschlossenen lebenserhaltenden Systemen: Wie es dich „auf der Strecke hält“, in einer Ökorealität zu leben …[10]
Im Verlauf der frühen pädagogischen Experimente begann Ant Farm, ein Toolkit für diese umfassendere soziale und politische Agenda zu etablieren. Ihr enviro-equipment (Umweltausrüstung) befasste sich mit den konjugativen Möglichkeiten von Wohnmobilen, Videokameras, Kunststofffolie, Industrieventilatoren, LSD, dem Rock-Festival-Format und endlosen Reisen mit dem Auto. Temporäre Events, bei denen Gegenarchitekturen in den Lücken des amerikanischen Infrastrukturnetzwerks entstanden, boten intensive sinnliche Erfahrungen durch „Traumwolken“, „Regenbogen-Obstgärten“ und „Rosa Körperöffnungen“.
Die ernsthaftere utopische Seite der abgefahrenen Happenings dieser Hippie-Nomadologie war es, fortschrittliche Technologien im Alltag zu nutzen, weit weg von ihren ursprünglichen Einsatzbereichen und ausgerichtet auf andere Ziele. Als Ant Farm Ende 1969 in Sausalito die Zentrale ihrer „urbanen Ökokommune“ einrichtete, kündigte die Gruppe eine Intensivierung dieser Agenda an – sie gewann mehr Mitglieder, wurde „wie eine große Kommune“ und arbeitete mit der nordkalifornischen, umweltbewussten, kommunitären Designgegenkultur zusammen.
Ant Farms Visionen von einer pädagogischen Transformation passten zu der vorherrschenden Ausrichtung der Gegenkultur auf horizontale Informationsnetzwerke und Do-it-yourself-Bildung (deren berühmteste Ausprägung sich im Whole Earth Catalog fand).
Inflatables – die aufblasbaren, pneumatischen Strukturen, die Ant Farm pillows (Kissen) nannte – standen exemplarisch für die architektonischen Mittel der Gruppe, mit denen sie die gewünschte transformative Mobilität und Interaktivität erreichen konnte. Für die Gegenkultur verkörperten die Inflatables Eigenschaften wie Flüchtigkeit, Flexibilität und Freiheit. Sie erlaubten es den Nutzer*innen, schnell ihre eigenen Umgebungen zu gestalten, und boten einen passenden Gegenentwurf zur konventionellen „eckigen/spießigen“ Architektur.
Wie Caroline Maniaque anmerkt: „Anstelle der starren Wände, die mit festen Verhaltensmustern in Verbindung gebracht wurden, förderten die formbaren Oberflächen radikal andere Verhaltensweisen – fließend, frei, unerwartet.“[11] Zur Unterstützung diente Ant Farms ausgebauter Chevrolet-Medien-Van, der die erforderlichen Polyethylen-Folien, Klebeband und Werkzeuge transportierte, die für den Zusammenbau der pillows notwendig waren, und mit dem die Luftpumpen betrieben wurden, mit denen die Inflatables aufgeblasen wurden.
Trotzdem war der Medien-Van viel mehr als nur ein Transportmittel. In ihm verbanden sich Einflüsse aus den Lebenserhaltungsmaßnahmen der NASA mit ihren geschlossenen Systemen, die amerikanische Kultur frisierter Autos und militärisches Material. Er war mit umfassendem elektronischem Equipment für Ton-, Film- und Videoaufnahmen und -playback ausgerüstet. Er zog auch die unabhängige Wohneinheit „Le Roy“ hinter sich her – einen Wohnwagen mit Küche, aufblasbarer Dusche und Sonnenkollektor (ein Inflatable für fünf Personen, in dem die Ant-Farm-Mitglieder lebten, wenn sie unterwegs waren).
Mit dem Medien-Van und den Inflatables, die mit ihm aufgestellt werden konnten, konnte Ant Farm schnell die passenden Bildungsumgebungen für eine neue Gemeinde aus umweltbewussten, kybernetisch fortgeschrittenen Nomaden bereitstellen.
Die Inflatables und der Medien-Van wurden im Inflatocookbook dokumentiert, einem Do-it-yourself-Handbuch, das Ant Farm erstmals 1970 herausgab.[12] Das Inflatocookbook fasst die bisher durchgeführten Experimente der Gruppe zusammen und stellte ihre gesammelten Informationen und Fertigkeiten einem Publikum zur Verfügung, das weit über die Architekturszene, aus der Ant Farm kam, hinausreichte.
Das Buch stellte eine Verbindung zu bahnbrechenden Architekturhandbüchern wie Steve Baers Dome Cookbook (1968), Sim Van der Ryns Farallones Scrapbook (1969), Lloyd Kahns Domebook (1970) und sogar Stewart Brands Whole Earth Catalog (1968–1972) her. Design und Herstellung des Inflatocookbook griffen ebenfalls auf die Methoden der Gegenkulturmedien zurück, die in Nordamerika eine Blütezeit erlebten. Es war ein Sammelsurium aus verschiedenen Papierarten, Schablonen, Schrifttypen, Siebdrucken, Fotocollagen und Comiczeichnungen, bot humorig formulierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen und lud die Leser dazu ein, Beiträge beizusteuern, um eine Feedbackschleife entstehen zu lassen.
Das Inflatocookbook verband Ant Farms Vorstellungen von einer pädagogischen Reform direkt mit dem Bildungsethos der Gegenkultur, das einen unmittelbaren und spielerischen Zugang zu Tools und Informationen vorsah.
Das Inflatocookbook beschrieb auch das Truckstop Network, das eine noch ambitioniertere Vision einer weit verstreuten, alternativen Lerncommunity anbot:
Wir sprechen über eine Institution, ein Kommunikationsnetzwerk aus Orten wie unserem, das Mediennomaden von der Straße aus ansteuern können (holt euch College-Credits!), wo sie einen Truck reparieren können, wo es überall Videoverbindungen gibt, dein Handwerkszeug, Nährstoffe für jede Art von Bedürfnis.[13]
Ant Farms „Demonstration Tour” im Jahr 1970 zu Schulen, Colleges, Gegenkulturkonferenzen und Interventionen von Umweltaktivisten setzte das Truckstop Network in Bewegung. Es entstand am Höhepunkt der Inflatables-Zeit und in seinem Mittelpunkt stand das 50 x 50‘ Pillow (127-x-127-Zentimeter-Kissen), ursprünglich hergestellt für ein Rockkonzert in Japan, das ausgefallen war.[14]
Zu den Stationen der Tour gehörten der Earth People’s Park und die Sproul Plaza der University of California in Berkeley, wo die berühmte Performance Air Emergency aus Anlass des Tags der Erde aufgeführt wurde (ein schelmisches „Survival-Event“, bei dem den Zuschauern erzählt wurde, dass das pillow von Ant Farm die einzige Möglichkeit bot, sich vor einem tödlichen Luftmangel zu retten). Allerdings waren es zwei weitere Events, an denen sie während ihrer Tour teilnahmen, die das weitere Terrain für das Bildungsexperiment der Gruppe absteckten.
Zunächst nahm Ant Farm im März 1970 auf Einladung ihres Organisators, des Architekturprofessors Sim Van der Ryn aus Berkeley, an der Freestone-Konferenz teil. Van der Ryn und seine Mitarbeiter*innen am Farallones-Institut hatten mit fortschrittlichen Lehrer*innen an kalifornischen Schulen eine Reihe von architektonischen Experimenten durchgeführt, die von der Bewegung der freien Schulen beeinflusst waren. „Wir werden von Möbeln beherrscht“, erklärte Van der Ryn und bezog Studierende in die Konstruktion von Inflatables und zonoedrischen Strukturen ein. Das waren zugleich Übungen im Learning by Doing und Experimente, bei denen der Klassenraum radikal neu gestaltet wurde.
Das Treffen in Freestone leitete sich zum Teil von solchen Versuchen her, die rigiden institutionellen Raumanordnungen aufzubrechen und den Schwerpunkt auf nichthierarchisches, kollaboratives Design und Lernprozesse mit offenem Ausgang zu legen. Das Ziel war laut Van der Ryn, „die Gestaltung neuer sozialer Formen, neuer Gebäudeformen zu erlernen, die im Einklang mit dem Leben stehen, […] eine schwebende Universität rund um den Entwurf unseres Lebens zu bauen“.[15] Das 50 x 50’ pillow von Ant Farm bildete dabei einen wichtigen Beitrag – einen zentralen Raum für einen Großteil der Aktivitäten bei diesem Event.[16]
Ihre Bedeutung für die Freestone-Community zeigte, dass die Inflatables (gemeinsam mit dem kinderfreundlichen Inflatocookbook) schon weit über den Bereich von Rockkonzerten und avantgardistischen Kunstinterventionen hinausgekommen waren – sie wurden als ein universelleres Tool zur Etablierung einer alternativen Gesellschaft betrachtet.
Im Juni 1970, erneut auf Einladung von Van der Ryn, nahm Ant Farm an der International Design Conference in Aspen (IDCA) teil, die unter dem Motto „Environment by Design“ (Umwelt durch Design) stand. Hier gehörten sie zum Kontingent der Umweltaktionsgruppen, zu denen auch Ecology Action, People’s Architecture Group, Environment Workshop und das Farallones-Institut gehörten. Ant Farm kam im eigenen Medien-Van und machte sich entgegen der Vorgaben der Veranstalter daran, ihr Spare Tire Inflatable (aufblasbares Ersatzrad) aufzubauen.
Die „Berkeley-/Ant-Farm-/Verrückte-Naturschützer-Koalition”, wie Reyner Banham sie abfällig nannte, war an einer Reihe von Events beteiligt, die den Ablauf der Konferenz entgleisen ließen. Nicht vorgesehene Interventionen (etwa eine chaotische Session, in der Namensschilder getauscht wurden) sowie eine Reihe von provokanten Resolutionsvorschlägen (mit denen das fehlende Umweltengagement der IDCA kritisiert wurde) hoben die ideologischen Differenzen zwischen den jungen Radikalen der Gegenkultur und den ehrwürdigen üblichen Teilnehmer*innen der IDCA hervor.
Die Umweltkollektive und Architekturaktivisten, unter denen Ant Farm eine prominente Stellung einnahm, lehnten energisch jegliche Akzeptanz von Designer*innen als unkritische Akteur*innen innerhalb des kapitalistischen, gewinnorientierten Systems ab. Sie verlangten auch ein interaktiveres, responsiveres Konferenzformat und ein Bekenntnis zu einem authentischeren Engagement für soziale Belange und die Umwelt.
Es war der ehrgeizige Versuch, das IDCA-Establishment umzuerziehen. Alice Twemlow hat die turbulente Konferenz und ihre Konsequenzen detailliert beschrieben und gezeigt, dass die Ereignisse die IDCA-Verantwortlichen wirklich erschütterten. Daher wurde bei den folgenden Konferenzen mit partizipatorischeren Formaten experimentiert.[17]
Die „Berkeley-/Ant-Farm-/Verrückte-Naturschützer-Koalition” trug zur Neugestaltung der Institution anhand von Vorstellungen der Gegenkultur bei. Doch, wie Tremlow feststellt, kann die Übernahme dieser Änderungen als „lehrbuchmäßiges Beispiel dafür dienen, wie das kapitalistische System es schafft, die eigentlichen Widersprüche zu assimilieren, statt die echten Probleme durch eindeutiges Handeln zu lösen“.[18]
Etwa 1971 betonte das Ant-Farm-Bulletin „Truck stop fantasy one” das Konzept der Gruppe für eine zeitlich unbegrenzte Pädagogik, die der im Entstehen begriffenen postinstitutionellen Welt entsprach – ein Bildungssystem als „kontinuierlicher Prozess, der nicht mit einem Schulabschluss endet und nicht in der ,Schule‘ beginnt“.[19]
Weiterhin enthält es Überlegungen darüber, was wohl passiert, wenn „die Unterschiede zwischen Grundschule, Sekundarschule und College [sic] aufgehoben würden. Beiläufige [sic] Bildung für umherwandernde Lernende, kleine Kinder und alte Leute, die dank gegenseitigem Feedback wachsen“.
Ant Farm weist hier erneut auf die Bildung als fortlaufenden, kybernetischen Prozess hin, der außerhalb der Einschränkungen und Strukturen traditioneller pädagogischer Institutionen steht. Damit greift die Gruppe die befreienden Ideale und die Rhetorik der Gegenkultur auf. Dennoch, wie Felicity Scott nüchtern konstatierte, war die erträumte Freiheit keinesfalls garantiert.[20]
Offene, interaktive Bildungs- und Sozialisationsformen wurden nur allzu glatt in etwas übertragen, das Gilles Deleuze eine Kontrollgesellschaft nannte – der nomadische Mensch einer postindustriellen Kultur wird zu einer notwendigen und fortlaufenden Flexibilität erzogen. Inwieweit Ant Farm diese Zweideutigkeiten erkannte, ist nicht klar, macht aber eine erneute Beschäftigung damit, wie die Gruppe mit ihren Auswirkungen umgegangen wäre, zu einer unendlich lohnenswerten Übung.
leitet die Architekturfakultät der Universität von Sydney. Seine historische Recherche zu internationalen ökologischen Designexperimenten sowie Designexperimenten der Gegenkultur wurde in zahlreichen akademischen, professionellen und Populärmedien veröffentlicht. Er engagiert sich aktiv in kreativen und kuratorischen Projekten und arbeitet dabei mit Organisationen wie dem Museum für zeitgenössische Kunst in Sydney, der Christchurch Art Gallery und der Lismore Regional Gallery zusammen. Er ist Mitglied des Redaktionsausschusses des Architectural Theory Review, des internationalen Beirats von Counterculture Studies und der Leitungsgruppe der Counterculture History Coalition. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, fährt er Rad.