Die Kuwasawa Design School (KDS) wurde 1954 von Yoko Kuwasawa gegründet, die sich seit den 1930er-Jahren intensiv mit Designjournalismus befasste. Sie war von den Bauhausprinzipien beeinflusst und legte besonderen Wert auf die Funktionalität und Praktikabilität von Design. Yoko Kuwasawa erkannte, dass es einer umfassenden Designbildung bedurfte und gründete mit der Unterstützung von Taro Takamatsu achteinhalb Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Schule. Während des Kriegs und danach mussten Frauen ihre beruflichen Pflichten und die Hausarbeit in Einklang bringen und fertigten oft traditionelle Kleidung von Hand an. Als anerkannte Modedesignerin erleichterte ihnen Yoko Kuwasawa diese Pflichten, indem sie erschwingliche, fertige Kleidung, die bei der Arbeit und zu Hause getragen werden konnte, anbot und es Frauen so ermöglichte, sich auf ihre Karriere zu konzentrieren. Sie bildete viele professionelle Modedesigner*innen für die Massenproduktion hochwertiger Kleidung aus und nutzte ihre Kontakte zu Lehrenden, Künstler*innen und Designer*inne, um im Lehrkörper ihrer Schule viele Talente zu versammeln,

Es war eine große Überraschung und Ehre für Yoko Kuwasawa, dass schon zwei Monate nach der Eröffnung der KDS, am 15. Juni 1954, Walter Gropius die Schule besuchte. Sie konnte Gropius ihre funktionale Kleidung für Heim und Arbeit zeigen, die von traditionellen japanischen Stoffen beeinflusst waren, Gropius sagte, die KDS erinnere ihn an die frühen Tage des Bauhauses, und schrieb Folgendes in ihr Gästebuch: „Here I have found genuine Bauhaus spirit, the desirable trend I am looking for —the transitional, creative bridge between east and west. Great success to you!” (Hier habe ich den wahren Bauhausgeist gefunden, den wünschenswerten Trend, den ich suche – die verbindende, kreative Bücke zwischen Ost und West. Ich wünschen Ihnen viel Erfolg.“[1]

Yoko Kuwasawas Bildungsansatz war von der Bereitschaft charakterisiert, das Prinzip von Versuch und Fehlschlag anzunehmen, verbunden mit Flexibilität und Entschlossenheit. Ihre Hingabe trug Früchte und sie förderte talentierte Menschen, die bedeutende Beiträge zu verschiedenen Bereichen leisteten. Ihre Arbeit wurde weithin gewürdigt und reflektierte das fortwährende Erbe der KDS und Yoko Kuwasawas visionäre Führung.

[1] Gästebucheintrag von Walter Gropius für Yoko Kuwasawa, Juni 1954, Toko. Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.

Asuka Kawabata

ist Grafikdesignerin und unterrichtet Design. Sie hat einen B.A. in Grafikdesign von der Tokyo Zokei University (1997) und vom Central St Martins Collage of Art and Design in London (2001) sowie einen M.A, in Design Products vom Royal College of Art (2003), ebenfalls in London. Bevor sie 2010 zur Kuwasawa Design School in Tokio kam, war sie Leiterin Kommunikationsdesign beim Londoner Designstudio Ab Rogers Design (2003–2009). Zu ihren Kunden gehörten die Tate Modern, London, das Centre Pompidou, Paris, das Victoria & Albert Museum, London, und die Parfumeure Miller Harris, London.

Studierende an der KDS, Mai 1959, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.
Das Gebäude der Kuwasawa Design School in Aoyama, Tokyo, 1956, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.
Unterricht an der KDS, Februar 1956, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.
Unterricht an der KDS, 1956, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.
Gästebucheintrag von Walter Gropius, 1954, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.
Unterricht an der KDS mit Yoko Kuwasawa, 1954, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.
Selbstporträt, Yoko Kuwasawa, Kuwasawa Gakuen Educational Foundation.